Lebenslauf und Grundsätzliches

Helmut Poller, berufstätig als Buchhändler, Verlagsleiter, Geschäftsführer einer buddhistischen Zeitschrift, Einzelunternehmer im Bereich IT-Sicherheit und etliches mehr.
Ab 1979 intensive Beschäftigung mit Magie, Hexenkunst, Schamanismus, Tarot, Kelten, Germanen, Kabbala, Ägypten, kurz mit dem, was diffus als westliche magische Tradition bezeichnet wird. Abenteuerliches Leben, Drogenerfahrungen, Aufenthalte in verschiedenen magischen Gruppierungen.
1982 Zuflucht zum Buddhismus in Gestalt des im "Arya Maitreya Mandala" gelehrten Vajrayana-Buddhismus, Erlangung geistiger Stabilität durch die dort aufgenommene Praxis (hauptsächlich Padmasambhava-Guru-Yoga und Mahayana-Meditation).
1986 Vollständige Einweihung in das Anuttara-Tantra durch S.H. Chetsang Rinpoche (Oberhaupt der Drikung Kagyu Schule), Beginn einer gründlichen Schulung, in deren Mittelpunkt die Yidam-Praxis steht, vor allem die Lehrzyklen von Hevajra und Vajrakila, mehrere strenge Einzelretreats. Unterweisungen durch verschiedene Meister der Drikung Kagyu - und Nyingma - Schule.
In dieser Zeit beginne ich auch, meinen Beziehungen zu Frauen tieferen Sinn zu verleihen, indem ich dabei die entsprechenden Lehren des Anuttara-Tantra berücksichtige.
Zwischendurch zwei Jahre Studium Mathematik und Informatik an der TU Wien, abgebrochen, gutes Geistestraining, welches sich später bezahlt macht.
Vertiefte Praxis der magischen Methodik von Austin Osman Spare (Sigillenmagie, Stelen als Tore zu anderen Dimensionen, nonduale Sichtweise).
1995 Gründung der Nyingma Gruppe Österreich (auf Anregung von Khenpo Chögah R.)
In der Folge verschiedene Aktivtäten in Zusammenhang mit Nyingma-Lehren, Abhaltung von Retreats, besondere Bemühungen um die Förderung der Praxis des Vajrakila-Zyklus.
1995 Begegnung mit S.H. Chhimed Rigdzin Rinpoche, einem bemerkenswerten Meister der Nyingma-Schule, welcher mein Verständnis der Lehren ganz wesentlich vertieft.

1999 Pilgerreise nach Indien.
2000 Organisation einer großen Vajrakila-Übertragung durch Chhimed Rigdzin in Wien, seither mehrmals jährlich Gruppen- und Einzelreatreats zur Vajrakila-Praxis.
2001 nur noch mit indo-tibetischer tantrischer Praxis und verschiedenen entsprechenden Projekten beschäftigt. Beginn intensiver Auseinandersetzung mit dem shivaitischen Tantra.
2002 Mein verehrter Wurzellama Chhimed Rigdzin stirbt, die Nyingma Gruppe widmet ihr Sommerretreat seinem Andenken.
2002 Zweite Pilgerreise nach Indien, Teilnahme an der Einweihung der Khordong Gompa in Siliguri, eines der Lebensprojekte von Chhimed Rigdzin.
2002 Webseite ratna.info.
Vorbereitung einer dreimal erfolgenden Hevajra-Einweihung (2003-05) durch einen Drikung-Linienhalter, Betreuung der Übungsgruppe.
2005: Reise nach Nepal, finde einen sehr interessanten Platz: Die Leichenverbrennungsstätte Pashupatinath in Kathmandu. Weitere Vertiefung in das nonduale shivaitische Tantra.
2006: Gründung des magisch-tantrischen Ordens Anuttara Kula, neue Webseite kiaos.net

Februar 2008: Aus einer grundsätzlichen Enttäuschung über die zahlreichen Mängel der tibetischen Hierarchie lege ich die Leitung der Nyingma Gruppe in andere Hände und beschließe, künftig nur noch Aktivitäten zu unternehmen, die von dieser Hierarchie unabhängig sind. Ich stand ja vielen Dingen immer schon sehr skeptisch gegenüber, habe mich andererseits aber stets bemüht, in Übereinstimmung mit der Tradition zu unterrichten. Der zeitgenössische tibetische Buddhismus hat sich aber soweit von seinen Ursprüngen, den indischen Mahasiddhas, entfernt, das ich diesen geistigen Spagat nicht mehr länger aushalten will. Was heutzutage passiert, Einweihungen an Massen von Unqualifizierten, nur weil das viel Geld für Klöster bringt, die strukturell und inhaltlich im tiefsten Mittelalter verharren, eine grundsätzliche sexuelle Verkorkstheit gepaart mit konsequenter Diskriminierung von Frauen, Lehren, die allen fühlenden Wesen nutzen sollen, aber von gewissen tibetischen Familien als ererbter Privatbesitz behandelt werden, und so weiter und so fort - all das hat nichts mehr mit dem zu tun, was die indischen Mahasiddhas gelehrt haben und was in den Wurzeltantras klar niedergelegt ist. Das grundsätzliche Übel ist die Personalunion von weltlicher und spiritueller Macht, die am Anfang der Geschichte des tibetischen Buddhismus steht. Die Mahasiddhas haben weltliche Macht zutiefst verachtet und sind niemals vor den Königen gekrochen. Die ursprünglichen Lehren sind ungeheuer tiefgründig und zeugen von einer unglaublichen Genialität und Kreativität. Kürzlich konnte ich auf der Webseite einer tibetischen Dharmaorganisation den bemerkenswerten Satz lesen: "Do not think - recite!"
Das ist Buddhismus für die Dummen, die nicht selbständig denken können, nicht eigenverantwortlich handeln können, kein eigenständiges geistiges Werk schaffen können - und genau das ist eben kein Buddhismus. Rezitieren, visualisieren, die Sammlung der Einweihungen, bei denen man zugegen war und die man niemals praktizieren wird, immer weiter vergrößern, damit den Lamas und den umgebenden Familien-Vampiren immer mehr Geld verschaffen - das ist zeitgenössischer tibetischer Buddhismus, endgültig korrumpiert durch die Berührung mit dem Westen. Es ist nicht das, was der Buddha gelehrt hat und es ist nicht das, was Tilopa, Naropa, Padmasambhava, Saraha, Kukkuripa, Virupa und die anderen Urheber der Tantras gelehrt haben.


Für Leute, die mit den Namen der tibetischen Übertragungslinien etwas anfangen können, folgt hier eine gekürzte Liste der Meister und der Linien, deren Praktiken ich über einen längeren Zeitraum ausgeführt habe bzw. noch ausführe:
  • S. H. Chetsang Rinpoche, Lama Sönam Jorphel Rinpoche und andere: Drikung Kagyü
  • Chhimed Rigdzin Khordong Terchen Tulku: Nyingma, genauer die Tradition der nördlichen Schätze (Byangter) und der Schätze von Nuden Dorje.
  • Chökling Jigmed Palden Rinpoche: Nyingma, genauer Longchen Nying Thig, Chökling und Dudjom Tersar.
  • Gangteng Tulku Rinpoche: Nyingma, Schätze von Pema Lingpa

Einige Worte zum Thema Autorisierung oder Lehrberechtigung

Vajrayana ist eine Geheimlehre, die vom Mund des Meisters zum Ohr des Schülers weiter gegeben wird, wobei die Initiation immer ein wesentlicher Punkt dieser Weitergabe ist, oft der erste. Hat der Schüler nun die Lehren verwirklicht, was mit eindeutigen Zeichen und der Manifestation höherer Bewusstseinskräfte (Siddhis) verbunden ist, gibt der Meister dem Schüler eine spezielle Übertragung, die Vajracarya (tib. Dorje Lopon)-Einweihung. Ab diesem Zeitpunkt wird der Schüler zum Linienhalter, d.h. er setzt die oft Jahrhunderte zurückreichenden Lehrer-Schüler Übertragungslinien fort, ab diesem Zeitpunkt darf der Schüler die Lehren in ihrem gesamten Umfang an andere weiter geben, insbesondere darf er ab diesem Zeitpunkt die Einweihungen geben, die er seinerseits von seinem Meister erhalten hat. Die Verhältnisse in der Praxis sind etwas verwickelter, aber eines ist klar: Das ist die einzig echte Form von Autorisierung, die das Vajrayana zu bieten hat.

Besonders im Zuge der Verbreitung des Vajrayana im Westen (auch schon vorher) kam es vor allem infolge des Expansionsdranges gewisser Schulen zu einer Inflation an Autorisierungen und „Lehrberechtigungen“, die über die tatsächlichen Fähigkeiten dieser Schüler nichts aussagen. Häufig wird ein Schüler (leider auch immer wieder Leute, die noch nicht sonderlich tief ins Vajrayana eingedrungen sind) z. B. von seinem Meister autorisiert, eine Gruppe zu leiten. Das sagt weder etwas über die Dharma-Kenntnisse dieser Person aus, und schon gar nicht über die Verwirklichung. Das Problem ist, das es keinen Maßstab gilt, an den sich alle halten. Manche Meister verlangen enorm viel, bevor sie ihren Schülern erlauben, in Dharma-Angelegenheiten öffentlich zu sprechen, am anderen Ende des Spektrums gibt es auch Fälle, wo Anfängern erlaubt wurde, große Zentren nicht nur zu organisieren, sondern zu leiten! Oft führen Blinde Blinde, und was für völlig verdrehte und einseitige (häufig auch sektierische) Positionen man bei manchen "Einführungsvorträgen" zu hören bekommt, ist bedauerlich. Im Gegensatz zu einem Doktor der Medizin, wo man sich gewisse Grundkenntnisse erwartet, egal woher der Titel kommt, ist die Bedeutung der Worte "Autorisierung" und "Lehrberechtigung" im Vajrayana sehr gering. Das Mindesterfordernis für eine anerkannte echte Verwirklichung ist die oben erwähnte Einweihung zum Geben von Einweihungen (in Wirklichkeit ist das heutzutage auch kein verlässliches Kriterium, aber es ist wenigstens ein Kriterium.) Einige weitere allgemeine Bemerkungen zu diesem Thema finden sich in meinem Artikel "Lama oder Nicht-Lama, das ist hier die Frage"

Was mich betrifft, ich bin kein Lama, kein Linienhalter, mit meiner Moral steht es wahrscheinlich auch nicht am besten, ich bin kein Gelehrter (dazu braucht es im Vajrayana meiner Meinung nach gute Tibetisch-Kenntnisse). Ich bin ein einfacher Yogi, der dir höheren Tantras praktiziert und ich habe einen gewissen Teil der deutschen und englischen Literatur über das Vajrayana gelesen und darüber nachgedacht. Ich habe nach diversen Einweihungen die entsprechende Sache zu üben versucht und mich um das Einhalten der tantrischen Gelübde bemüht, nicht mehr, nicht weniger. Ich wurde von allen meinen Meistern, speziell von meinem Wurzel-Lama Chhimed Rigdzin Rinpoche stets ermutigt, mit meinen auf die Verbreitung und Förderung der höheren Tantras gerichteten Aktivitäten fortzufahren. Auch mein persönlicher Spleen, den Praxisstil der alten Siddhas zu rekonstruieren, wurde meisterlicherseits stets respektiert.

Die Zurufe aus den diversen Sanghas hingegen waren nicht immer ermutigend (milde ausgedrückt), dass ich selber denke und eine eigene Meinung habe, halten manche Buddhisten offensichtlich für eine Art "Ego-Blähung", wie als hätten diese Leute, die in jeden zweiten Satz "Rinpoche XY sagt ... " einflechten müssen, ihr Ego bereits überwunden. Dieses ständige Sich-Beziehen auf eine höhere Autorität ist auch nichts anderes als ein Machtspiel, aber bitte, jedem das Seine.

Es gibt ein paar Menschen, die Nutzen aus meinen Aktivitäten ziehen, also scheint es etwas Nutzen zu geben. Es gibt andere, die schlecht von mir denken oder hinter meinem Rücken schlecht über mich sprechen, das wird vermutlich nicht viel Nutzen bringen. Ich werde mit dem Mantra meines Yidam auf den Lippen sterben und was bis dahin geschieht, dem sehe ich ziemlich entspannt entgegen.


Möge ich in allen Leben niemals getrennt sein von den Gurus, welche die Instruktionen geben,
möge ich niemals getrennt sein von den Yidam Gottheiten, welche die Kräfte geben,
möge ich niemals getrennt sein von den Dakinis, welche die Freuden geben,
mögen die Schützer ihre Aufgaben ausführen,
mögen die geheimen Lehren stets aufs Neue sich zeigen,
mögen alle dualistischen Unterscheidungen sich in Dharmadhatu auflösen.






Zwölf Tenma, alttibetische Muttergottheiten, die von Padmasambhava als Schützerinnen der Lehren eingesetzt wurden.