Hevajra

Das Hevajra-Tantra ist einer der wesentlichen Lehrzyklen der Anuttara-Tantra Klasse. Hevajra war die Medationsgottheit (Yidam) vieler alter Meister der Tantras. Auch weibliche Meisterinnen stehen in der Überlieferungslinie, zum Beispiel Niguma und Sukhasiddhi. Unten ist die achtgesichtige sechzehnarmige Hauptform von Hevajra abgebildet, umgeben von acht Dakinis, die in einer leicht variierten Form als "Die acht Gauris" im tibetischen Totenbuch erscheinen. (Abbildung oben, Vergrößerung)
Die sechzehn Arme tragen Schädelschalen, in denen acht elementare und planetare Gottheiten auf der einen Seite und acht Reittiere dieser Gottheiten auf der anderen Seite sitzen. Das vollständige Mandala von Hevajra besteht aus der zentralen Gottheit, vereinigt mit der Dakini Nairatmya ("die, welche Ichlosigkeit verwirklicht hat"), umgeben von fünfzehn Dakinis.

Hevajra ist eine zornvolle Ausstrahlung des Geistaspekts, eine höchst dynamische Verkörperung des dunkelblauen HUM, der Keimsilbe des Dhyanibuddha Akshobhya. Gemeinsam mit Hevajra manifestiert sich eine Versammlung von Dakinis. Die Dakinis spielen in der Praxis der magischen Buddha-Aktivitäten eine zentrale Rolle.


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Dakinis werden einerseits alle weiblichen Praktizierenden der höheren Tantras genannt, andererseits alle verwirklichten weiblichen Buddhas, seien es historische Personen oder visualierte Dakinis wie Vajrayogini oder die löwenlöpfige Dakini.
Hevajra gehört zum Muttertantra, das bedeutet eine Betonung der Vollendungsphase der tantrischen Meditation. Die Yidampraxis, in diesem Fall auf die Verwirklichung von Hevajra gerichtet, besteht aus zwei Phasen: Der erzeugenden Phase (Kyerim), in welcher die Übenden sich als die äußere Form der Gottheit neu erzeugen, und der vollendenden Phase (Dsogrim), in welcher das energetische Innenleben der Gottheit erfahren wird, also Zentralkanal, Chakras und feinstoffliche Energien.

Diese Lehren werden streng geheim gehalten und nur in mündlicher Mund-zu-Ohr Instruktion weitergegeben. Der zweite Teil der Vollendungsphase besteht aus dem Auflösen aller Formen und dem Eingehen in den natürlichen Urzustand des Geistes, in diesem Zusammenhang wird das Mahamudra genannt. Bei Tantras, die zum "Vatertantra" gezählt werden, liegt der Schwerpunkt auf der erzeugenden Phase. Die Praxis des Anuttara-Tantra führt zur Erlangung der höheren Bewusstseinskräfte und zur Verwirklichung des gesamten geistigen Potentials der Praktizierenden.

Die meisten westlichen Schülerinnen kennen nur Sadhana-Texte, die sich auf die Anuttara -Praxis beziehen, also Texte, die rituell rezitiert werden. Jeder höheren tantrischen Gottheit liegt aber ein Text zugrunde, der als Wurzeltantra bezeichnet wird. Dieser Text enthält alles, was zur Geschichte, Symbolik, Praxis und vielen anderen Aspekten der Gottheit zu sagen ist. Es hat einen einfachen Grund, warum diese Texte im Westen unbekannt sind: Fast nichts davon ist bislang in eine europäische Sprache übersetzt. Es gibt aber eine wichtige Ausnahme: Das Wurzeltantra des Hevajra, eben das eigentliche Hevajra-Tantra, wurde sehr qualitätsvoll ins Englische übersetzt:

CONCEALED ESSENCE OF THE HEVAJRA TANTRA
translated. by G.W. Farrow and I. Menon, Motilal Banarsidas Publ., 2001, ISBN 81-208-0911-4

Das Buch ist schon wieder vergriffen, wer es im antiquarischen Buchhandel (indische Online-Händler!) nicht findet, kann sich an mich wenden.

Eine deutsche Übersetzung, die auf dieser Übersetzung und einer älteren von Snellgrove beruht, gibt es hier kostenlos (vielen Dank an den Übersetzer).

Es gehört zu einem der wenigen Werke, welches auch einem des Sanskrit und Tibetischen nicht Mächtigen einen Einblick in das Anuttara-Tantra gibt. Dazu kommt noch: Sind die Grundlagen des Anuttara-Tantra erst einmal verstanden, kann dieses Verständnis auf alle Praktiken dieser Klasse angewandt werden. Es gibt zwar viele Detailunterschiede in der Visualisation und Symbolik, aber die zugrunde liegende Sichtweise ist die gleiche.

 

Hevajra Gruppe in Wien

In Wien existierte eine von mir ins Leben gerufene Hevajra-Praxisgruppe. Ich selbst habe die Hevajra-Einweihung 1986 von S. H. Chetsang Rinpoche, dem Oberhaupt der Drikung Kagyü Tradition, und von Lama Sönam Jorphel Rinpoche erhalten. Auf meine Bitte hin hat Lama Dorje Lhokar in den Jahren 2003, 2004 und 2005 eine große Hevajra-Initiation gegeben, unmittelbar nach der Einweihung fand immer ein einwöchiges Retreat unter meiner Leitung statt, bei welchem alle wesentlichen mündlichen Instruktionen zur Hevajra-Praxis gegeben wurden, inklusive der meistens verschwiegenen Instruktionen zur Vollendungsphase (Tumo, sechs Yogas von Naropa, Karmamudra), das letze Retreat für Fortgeschrittene fand 2006 statt. Ich bin gern bereit, ausführliche mündliche Instruktionen zu Hevajra zu geben, Kontakt.
Ich akzeptiere als Voraussetzung die Hevajra-Einweihung jeder Linie, vor allem die Sakya-Tradition veranstaltet in Europa fast jedes Jahr Hevajra-Einweihungen. Bedingungen für Instruktionen bezüglich anderer Tantras auf Anfrage.



 

Infos auf anderen Seiten

Auf www.khandro.net finden sich einige fundierte Aufsätze zum Thema Dakini:

Dakini (Introduction)
Shakti
The 64 Dakinis
The Great Bliss Queen
Dakini as Shaman


Zitate

Zum Abschluss einige Zitate aus dem Hevajra-Tantra (Zahlen beziehen sich auf Verszählung im Text):

Such a yogi of great mercy, being one with the intrinsic nature of all things wanders the world free from the ties of social conventions, religious injunctions and inhibitions.
(1.6.23)

For the yogi, form and whatever other objects of experience that manifest, are all pure in nature, for the world is pervaded by the Enlightened Nature.
(1.9.4)

The absence of the distinction between Voidness and Compassion is known as the Enlightened Consciousness.
(1.10.40)

The world is pervaded by bliss, the world and bliss being mutually dependent.
(2.2.35)

Beings are released from the bondage of existence utilising as Means those very things by which beings, because of their wicked deeds, are bound. Beings are bound by passion and are released by utilising passion.
(2.2.51)

Nowhere else in any of the realms of existence is the Enlightened Being to be found for it is in fact the Consciousness itself which is perfectly enlightened and nowhere else is the Enlightened One to be perceived.
(2.4.77)

No beginning, no end, no middle there; neither the Phenomenal nor the Release. This is that supreme Great Bliss where is neither self nor other.
(2.5.67)